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Sklerallinsen

Wenn herkömmliche Kontaktlinsen an ihre Grenzen stoßen

Was sind Sklerallinsen?

Sklerallinsen sind spezielle formstabile Kontaktlinsen, die nicht direkt auf der Hornhaut, sondern auf der weniger empfindlichen weißen Lederhaut (Sklera) des Auges aufliegen. Durch ihr Design überbrücken sie die Hornhaut vollständig und schaffen eine flüssigkeitsgefüllte Zone zwischen Linse und Auge. Dies sorgt nicht nur für einen angenehmen Tragekomfort, sondern ermöglicht auch eine stabile Sehkorrektur – mit teilweise wesentlicher Sehverbesserung – für Menschen mit irregulären Hornhautoberflächen oder pathologisch trockenen Augen.

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Die Geschichte der Sklerallinsen

Sklerallinsen haben eine lange Tradition in der Kontaktlinsenanpassung. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste großflächige Glaslinsen entwickelt, um Sehprobleme zu korrigieren. Diese konnten noch nicht lange getragen werden, da sie das Auge nur wenig bis gar nicht mit Sauerstoff versorgten. Mit den Fortschritten in der Materialtechnologie sind moderne Sklerallinsen heute deutlich komfortabler, atmungsaktiver und präziser anpassbar als ihre Vorgänger. Außerdem sind sie heute kleiner als zu ihren Anfangszeiten: Während früher sehr große Skleralschalen (Full-Sklerallinsen) zum Einsatz kamen, werden heute eher Mini-Sklerallinsen, deren Durchmesser vergleichbar mit einer weichen Kontaktlinse ist, angepasst.

Die Bezeichnungen „Mini-Sklerallinse“ und „Full-Sklerallinsen“ ist immer unter Berücksichtigung des Durchmessers der Hornhaut des Auges zu berücksichtigen. Von einer Full-Sklerallinse spricht man dann, wenn der Durchmesser der Sklerallinse um ca. 6 Millimeter größer ist als der Durchmesser der Hornhaut. Bei weniger als 6 Millimetern Größendifferenz handelt es sich um eine Mini-Sklerallinse

Mini-Sklerallinsen

Mini-Sklerallinsen weisen in der Regel einen Durchmesser zwischen 15 und 17 mm auf. Dank der kleineren Größe erzielen sie einen natürlicheren Sitz, eine höhere Sauerstoffzufuhr und lassen sich auch leichter handhaben als ihre größere Full-Skleral-Variante.

Wann sind Sklerallinsen eine Option?

Sklerallinsen kommen dann zum Einsatz, wenn kleinere, ausschließlich auf die Hornhaut angepasste Kontaktlinsen (Corneallinsen) an ihre Grenzen stoßen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Keratokonus so stark ausgeprägt ist, dass eine kleine Linse ständig herausfällt oder sich jemand, auch nach ausreichender Eingewöhnung, nicht an das Tragen kleiner, formstabiler Linsen gewöhnen kann. Sklerallinsen sind daher eine bewährte Lösung für Menschen mit besonderen Augenerkrankungen oder komplexen Hornhautverhältnissen, wie:

  • Keratokonus – Fortschreitende Hornhautverformung, bei der herkömmliche Linsen bei fortgeschrittenen Stadien manchmal nicht mehr stabil sitzen.
  • Keratoplastik – Nach einer Hornhauttransplantation kann die unregelmäßige Hornhautoberfläche eine Herausforderung für andere Linsenarten darstellen.
  • Starke Irregularitäten der Hornhaut – Etwa nach Verletzungen oder bei Narbenbildung.
  • Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Sjögren-Syndrom) – Die flüssigkeitsgefüllte Zone unter der Sklerallinse kann den Komfort erheblich verbessern und Betroffenen wieder Lebensqualität bieten.

Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Ophtecs Europe B.V.
*Die Durchmessergrenzen sind abhängig vom Hornhautdurchmesser und den Lieferbereichen

Warum wir Sklerallinsen mit besonderer Sorgfalt anpassen

Unsere Philosophie ist klar: Sklerallinsen sind eine hervorragende Option – aber nicht die erste Wahl. Bevor wir eine Sklerallinse empfehlen, prüfen wir, ob kleinere, formstabile Linsen oder andere Optionen eine erfolgreiche Korrektur ermöglichen. Denn eine gut angepasste, kleinere Linse erhält die natürliche Sauerstoffversorgung der Hornhaut besser als eine großflächige Sklerallinse. Auch wenn kleine formstabile Linsen oft eine längere Eingewöhnungszeit erfordern, bis ein ganztägiges Tragen möglich ist, sind diese langfristig gesehen klar im Vorteil! Es ist nämlich immer zu bedenken, dass der sehr bequeme Sitz einer Sklerallinse zum Übertragen verführen kann, weshalb eventuelle Stressreaktionen der Hornhaut vielleicht erst zu spät erkannt werden.

Das Avermann-Team ist sehr sympathisch und professionell. Seit 10 Jahren werde ich kompetent betreut und fühle mich immer sehr gut beraten. Ich kann jedem Kontaktlinsenträger Avermann empfehlen.

Nina L.

Die Anpassung erfordert Erfahrung

Die Anpassung von Sklerallinsen ist hochkomplex und erfordert eine präzise Vermessung und gewissenhafte Nachkontrolle der Verträglichkeit. Unsere Spezialisten nutzen modernste Messtechniken und ihre langjährige Erfahrung, um:

  • Die Hornhautgeometrie exakt zu erfassen.
  • Den Sitz der Linse individuell zu kontrollieren und optimieren.
  • Physiologische Unversehrtheit der Hornhaut sicherzustellen.

Ihre Kontaktlinsenspezialisten bei Avermann Contactlinsen haben über 25 Jahre Erfahrung in der Anpassung von Sklerallinsen. Moderne Linsenmaterialen sind hochgasdurchlässig, sodass bei optimaler Anpassung, je nach Vorschädigung der Hornhaut, auch ein ganztägiges Tragen über viele Jahre möglich sein kann. Wichtig sind halbjährliche Kontrollen und eine regelmäßig, in der Regel jährlich erfolgende Erneuerung der Linsen.

Der Ablauf der Sklerallinsen-Anpassung

Wir schauen uns Ihre Augen genau an, analysieren Ihre individuellen Voraussetzungen und klären, ob eine Sklerallinse sinnvoll ist. In den allermeisten Fällen können wir Ihre Augen auch mit kleinen formstabilen Linsen versorgen, sodass auf die Anpassung der weniger sauerstoffdurchlässigen Sklerallinsen verzichtet werden kann.

Handhabung und Pflege von Sklerallinsen

Die Handhabung von Sklerallinsen unterscheidet sich von den herkömmlichen Kontaktlinsen, erfordert jedoch mit etwas Übung nur wenige Minuten pro Tag:

  1. Aufsetzen: Sklerallinsen müssen vor dem Einsetzen mit einer speziell dafür geeigneten Kochsalzlösung befüllt werden, um die Hornhaut optimal zu benetzen. Ein Sauger, auf dem die Linse platziert wird, kann das Einsetzen erleichtern. Fällt auch das schwer, kann die Einsetzhilfe „Max“ genutzt werden
  2. Absetzen: Zum Herausnehmen wird ebenfalls ein kleiner Sauger angewendet. Wichtig ist, vor dem Absetzen mit dem Finger etwas Luft unter die Linse zu „pumpen“ – so kann sie sicher und leicht vom Auge entfernt werden.
  3. Reinigung & Pflege: Die Linsen müssen täglich mit einer speziellen Reinigungslösung gesäubert und anschließend in einer Desinfektionslösung aufbewahrt werden
  4. Tipps für den Alltag: Hygiene ist alles! Da sich die Aufsetzflüssigkeit für die Dauer des Tragens unter der Linse und somit auf der Hornhaut befindet, ist die Verwendung der korrekten Lösung entscheidend für die Verträglichkeit der Sklerallinsen, sowie für die Unversehrtheit Ihrer Augen. Verwenden Sie nur Aufsetzlösung und Pflegemittel, die Ihnen ausdrücklich von Ihrem Kontaktlinsenspezialisten empfohlen wurden!
    • Denn bei der Aufsetzlösung gibt es Unterschiede! Auch Kochsalzlösungen können Puffersubstanzen oder Konservierungsstoffe enthalten. Solche Lösungen sollten nicht zum Aufsetzen von Sklerallinsen genutzt werden. Wir empfehlen, die Verwendung steriler Kochsalzlösung (0,9 % NaCl) aus Einmalampullen ohne Konservierungsstoffe.

Hier geht es zum Download unserer Pflege-und-Handlings-Broschüre.

Vorteile und Nachteile von Sklerallinsen

Vorteile

Sklerallinsen bieten eine exzellente Sehqualität, insbesondere für Menschen mit irregulären Hornhäuten. Durch ihre gleichmäßige Auflage auf der Sklera sorgen sie für einen hohen Tragekomfort, da sie keinen direkten Kontakt mit der empfindlichen Hornhaut haben. Zudem schützen sie die Hornhaut vor äußeren Einflüssen und bieten durch das flüssigkeitsgefüllte Reservoir eine wohltuende Wirkung für Menschen mit stark trockenen Augen, wie zum Beispiel beim Sjörgren Syndrom.

Nachteile

Allerdings gibt es auch einige Nachteile, die berücksichtigt werden sollten. Die Anpassung von Sklerallinsen ist zeitaufwendig und erfordert mehrere Kontrolltermine, um einen perfekten Sitz und eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Hornhaut sicherzustellen. Die Eingewöhnungszeit kann länger dauern als bei anderen Linsen, da das Handling zunächst ungewohnt ist. Auch der Pflegeaufwand ist höher, da die Linsen gründlich gereinigt und mit speziellen Flüssigkeiten befüllt werden müssen. Ein wichtiger Aspekt ist zudem das Risiko hypoxiebedingter Hornhautveränderungen – also Veränderungen am vorderen Augenabschnitt, die durch unzureichende Sauerstoffversorgung entstehen können. Dies macht eine sorgfältige Anpassung sowie regelmäßige Kontrollen bei Ihrem Kontaktlinsenspezialisten und bei Ihrem Augenarzt unerlässlich. Zudem sind die Kosten für Sklerallinsen höher als für herkömmliche Kontaktlinsen, was jedoch abhängig von der medizinischen Notwendigkeit voll oder anteilig von den Krankenkassen übernommen werden kann.

Kostenübernahme durch die Krankenkassen

In vielen Fällen beteiligen sich gesetzliche und private Krankenkassen an den Kosten für Sklerallinsen, insbesondere bei medizinischer Notwendigkeit. Die genaue Kostenübernahme hängt von der Diagnose, dem individuellen Nutzen verglichen mit alternativen Linsenversorgungen und der individuellen Versicherungssituation ab. Meist ist eine Verordnung von Sklerallinsen dann möglich, wenn ein ausreichender Trageversuch kleiner formstabiler Linsen gescheitert ist. Gerne unterstützen wir Sie bei der Klärung mit Ihrer Krankenkasse und kümmern uns um das Einreichen des Kostenvoranschlages.

Fazit

Sklerallinsen sind ein herausragendes Werkzeug für sehr spezielle Anforderungen, aber sie sind kein Alltagsprodukt für jedermann. Die Entscheidung für Sklerallinsen sollte stets in enger Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Anpasser erfolgen, nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen, Risiken, Kosten und der individuellen Lebenssituation des Trägers.

Ein Blick in die Zukunft:

Die Technologie zur Anpassung von Sklerallinsen entwickelt sich stetig weiter. Neue Messverfahren ermöglichen zukünftig eine noch detailliertere Erfassung der Augenform, was die Herstellung individuell geformter Sklerallinsen mittels Freiform-Technologie unterstützt.
Um diesen Fortschritt in der Versorgung umzusetzen, verfolgen wir aktuelle Entwicklungen kontinuierlich und erweitern unsere Fachkenntnisse regelmäßig auch durch internationale Fortbildungen.

Formstabilen Kontaktlinsen bei Keratokonus.

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