Kurzsichtigkeit bei Kinder

Nachtlinsen statt Nachhilfe?

„Ich glaub’, ich seh’ nicht richtig!“, rufen so manche Eltern dieser Tage erschrocken beim Blick auf das Zeugnis des Nachwuchses. Doch: Es ist eher die Sehfähigkeit des Kindes, die seine Zensuren schlecht beeinflusst.

So manches Schulzeugnis spiegelt, dass ein Schüler schlecht sieht. Deshalb braucht er Hilfe: Vielleicht leidet ein Kind zum Beispiel unter visuellen Wahrnehmungsstörungen? Ein „Visualtraining“  kann sie beheben.

Anzeichen für Myopie

Bestimmt gab es „Vorboten“: Klagte das Kind regelmäßig über Kopfschmerzen? Zeigte es starke, ständige Unlust und Konzentrationsstörungen beim Lesen und Lernen? Kniff das Kind dabei oft die Augen zusammen? Das können auch Hinweise auf eine unentdeckte oder stark fortschreitende Myopie sein. Das ist keine Augenkrankheit.

Myopisch bedeutet: kurzsichtig. Diese Fehlsichtigkeit kann schon bei Kleinkindern auftreten. Oft wird sie erst später entdeckt: ab dem 10. Lebensjahr, auf der weiterführenden Schule. Das Auge wächst ab Geburt und bis zum 8. Lebensjahr. Kurzsichtigkeit kann jedoch noch bis zum 30. Lebensjahr zunehmen.

„Myo-was?“ Immer mehr kurzsichtige Kinder

In China sind bereits in einigen Regionen bis zu 95 Prozent der Menschen von Myopie betroffen. Und auch in Europa ist die Kurzsichtigkeit bei den Jüngsten auf dem Vormarsch. Die erschreckende Prognose: Im Jahr 2050 werden 50 Prozent der Weltbevölkerung kurzsichtig sein, 10 Prozent davon stark.

Kurzsichtigkeit vorbeugen!

Doch Eltern können bei ihren Kindern vorbeugen, denn die Ursachen sind bekannt:

„Unsere modernen Lebensgewohnheiten tragen stark dazu bei, dass Kinder kurzsichtig werden. Wir wissen heute, dass erbliche Faktoren eine vergleichsweise geringe Rolle spielen“, erklärt Friederike Avermann, Diplom-Ingenieurin für Augenoptik und Kontaktlinsenexpertin in Dortmund. „Wo Kinder viele Stunden täglich vor dem Computer, dem Tablet oder Handydisplay hängen, ist das Risiko für Kurzsichtigkeit hoch.“

Starke Kurzsichtigkeit: echtes Handicap mit Risiko

Starke Kurzsichtigkeit kann für viele junge Menschen zum schweren Handicap werden: Mancher Traumberuf wird deswegen ein Traum bleiben.

Schlimmer noch: Starke Kurzsichtigkeit birgt schwere gesundheitliche Risiken. Augenkrankheiten wie Grüner Star oder Netzhautschäden können dann beim Erwachsenen ab 40 die Folge sein. Wissenschaftliche Studien zeigen: Wer zu wenig Tageslicht bekommt, wird eher kurzsichtig. Wenn Kinder täglich mindestens zwei Stunden „draußen“ sind, leiden sie seltener unter Myopie.

Sanft ausgleichen: mit Nachtlinsen für Kinder …

Ist ein Kind oder Jugendlicher bereits kurzsichtig, dann können Kontaktlinsen dies ausgleichen. Sogenannte Nachtlinsen werden in Asien bereits seit über 15 Jahren großflächig eingesetzt.  Dort stoppen sie Myopie bei Kindern frühzeitig. In den USA ist die Orthokeratologie seit 2002 zugelassen. In Deutschland ist sie im Vergleich dazu noch unbekannt.

Im Schlaf getragen, formen die sogenannten „Orthokeratologie“- oder Nachtlinsen die Augenhornhaut um. Das geschieht beschwerdefrei und sanft. Das Ergebnis: Das Kind kann tagsüber ohne Sehhilfe bestens sehen. Und: Die Kurzsichtigkeit schreitet nicht weiter fort. Nachtlinsen werden ausschließlich von Spezialisten persönlich angepasst.

Nachts mit Linsen schlafen, tagsüber „ohne“ sehen.

Ortho-K gleicht übrigens auch bei Erwachsenen Kurzsichtigkeit sozusagen „über Nacht“ aus.

Allerdings müssen die personalisierten Linsen dann ein Leben lang jede Nacht mindestens sechs Stunden im Schlaf getragen werden. Andernfalls braucht dieser Mensch auch tagsüber wieder eine Sehhilfe. In diesem Fall kann dann die Kurzsichtigkeit wieder weiter fortschreiten.

Selbstbewusst, frei und beweglich – mit Kontaktlinsen

Die „dicke“ Brille drückt, verrutscht und beschlägt. Sie fällt auch mal herunter und zerbricht.

Nachtlinsen-Träger dagegen können das Thema Sehhilfe tagsüber einfach vergessen. Gesundheitliche Risiken gibt es bei der Orthokeratologie nicht. Das belegen wissenschaftliche Studien.[1]

Gerade für Kinder und Jugendliche bedeuten Kontaktlinsen mehr Bewegungsfreiheit, nicht nur in Sport und Freizeit. Auch für das Selbstbewusstsein und im Kontakt mit dem anderen Geschlecht gilt für Viele: Kontaktlinsen sind die erste Wahl!

  • [1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4697954/ The Safety of Orthokeratology—A Systematic Review (2013)